Kräutergarten auf Devín
Gärten, die nicht erhalten geblieben sind
Bis heute konnte weder die genaue Gestalt noch die Lage der Gärten auf dem Gelände der Burg Devín eindeutig bestimmt werden. Ihre Existenz wurde weder durch archäologische Untersuchungen bestätigt, noch werden sie in den bislang erforschten schriftlichen Quellen erwähnt. Auch auf historischen Darstellungen der Burg sind sie nicht zu sehen.
Die Gestaltung des Kräutergartens entstand daher auf Grundlage fachlicher Forschung und der Interpretation vergleichbarer historischer Gärten aus dem 15. und 16. Jahrhundert. An seiner Entstehung wirkten Fachleute des Museums der Stadt Bratislava, der Naturschutzorganisation BROZ sowie die Landschaftsarchitektin Miriam Húšťavová vom Atelier Húština mit.
Inspiriert von mittelalterlichen Gärten
Bei der Gestaltung des Gartens ließen wir uns von vergleichbaren Gärten des Mittelalters und der frühen Neuzeit inspirieren. Die Bepflanzung mit Kräutern und Nutzpflanzen zeigt eine vielfältige Auswahl an Arten. Sie dienten als Nahrung, Heilmittel und selbstverständlicher Bestandteil des Alltags.
Mittelalterliche Gärten beruhten auf Genauigkeit, klarer Struktur und Geometrie. Die Beete waren meist eingefasst – nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch als Symbol des umschlossenen Paradiesgartens. Zugleich schützten die Einfassungen die Ernte vor Wildtieren. Verwendet wurden dafür Flechtwerk, Holz, Steine oder Ziegel.
Gärten erfüllten mehrere Funktionen: Sie waren Nahrungsquelle, Ort der Erholung und zugleich ein ästhetisches Element des täglichen Lebens.
Der Garten als Lebensgrundlage
Im 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Burg Devín Sitz bedeutender Adelsgeschlechter – der Garay, der Grafen von Sankt Georgen und Bösing sowie der Báthory. Einige von ihnen lebten hier über längere Zeit, und der Alltag auf der Burg war eng mit der Zubereitung von Speisen für die Burgherren und ihren Hof verbunden.
Die Köche waren daher in hohem Maße auf die Ernte aus den Gärten direkt im Burgareal angewiesen. Besonders wichtig waren diese Gärten während Belagerungen, von denen Devín mehrere erlebte.
Die Gärten dienten jedoch nicht nur der aristokratischen Elite. Archäologischen Funden zufolge lebten auf der Unterburg auch einfache Bewohner in schlichten Häusern mit Wirtschaftsbereichen. Kleinere Nutzgärten waren Teil ihres Lebens und entschieden oft über das Überleben einer Familie. Die Menschen waren vor allem auf das angewiesen, was sie selbst anbauen konnten.
Zu den häufigsten Kulturpflanzen in unserem Gebiet gehörten Kohl, Karotten, Zwiebeln, Petersilie und Hülsenfrüchte wie Erbsen, Platterbsen oder Ackerbohnen. Kräuter dienten nicht nur zum Würzen von Speisen, sondern auch zu deren Haltbarmachung.
Heilende und gefährliche Kräuter
In der mittelalterlichen Heilkunde nahmen Kräuter eine besonders wichtige Stellung ein. Viele Pflanzen waren zugleich Heilmittel und Gift, und schon damals wusste man, dass ihre Wirkung von der richtigen Dosierung abhing.
Erfahrene Heiler und Kräuterkundige verwendeten bestimmte giftige Pflanzen zur Schmerzlinderung, zur Beruhigung oder zur Behandlung von Krankheiten. Bei falscher Anwendung konnten sie jedoch Vergiftungen oder sogar den Tod verursachen. Zu den bekanntesten gehörten Atropa belladonna — Tollkirsche, Mandragora officinarum — Alraune, und Hyoscyamus niger — Schwarzes Bilsenkraut.
Diese Pflanzen wurden bei Schmerzen oder einfachen medizinischen Eingriffen eingesetzt – in einer Zeit, in der die Medizin die moderne Anästhesie noch nicht kannte. Das Wissen über Heilpflanzen wurde von Generation zu Generation weitergegeben: in Klöstern, unter Heilkundigen und durch volkstümliche Kräuterkundige.
Kräuter waren somit ein Symbol der Heilung, aber auch des Respekts vor der Kraft der Natur.
Tipp für Sie: Spazieren Sie an den Beeten entlang. Jedes Kraut vor Ihnen erzählt eine Geschichte vom mittelalterlichen Leben auf der Burg. Es ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie tief und bedeutend die damalige Verbindung zwischen Mensch, Natur und ihrer Kraft war.